Garten,  Gartenkolumne

Ein kaltes Frühjahr

Ein kaltes Frühjahr sind wir gar nicht mehr gewohnt, habe ich gemerkt. Bei vielen Tipps für das Gemüsebeet hätte man Pech gehabt, wenn man sie befolgt hätte. Meinen Aussaatkalender habe ich getrost zur Seite gelegt, da ich Stau auf der Fensterbank hatte, denn die bereits ausgesäten Pflanzen konnte ich noch nicht mal ohne Angst ins Frühbeet setzen. Also habe ich einfach abgewartet und eine Extratasse Tee getrunken. Ich habe die Stauden- und Kräuterbeete inspiziert und festgestellt, dass die mediterranen Pflanzen auch nicht alle überlebt haben. Meine Zistrosen, die einen sehr sonnenexponierten Platz in Hausnähe hatten, sind erfroren. Der Salbei, der 2017 mit uns hier hergezogen ist, zeigt kaum noch Leben. Das Currykraut weiß noch nicht so recht, ob es noch bleiben mag.

Ein kaltes Frühjahr
Die Zistrosen im letzten Jahr

Das zeigt mir nur noch mehr, dass wir nicht genau wissen, was Klimawandel bedeutet. Man geht davon aus, dass eine Erderwärmung automatisch mediterrane Temperaturen bedeuten, aber so ist es nicht. Wir werden mehr Wetterextreme erleben, also Hitzespitzen im Sommer, aber auch mal große Schneemassen und Kälte im Winter. Wer also auf mediterrane Pflanzen setzt, wird immer wieder mal Pech haben. Vor ein paar Jahren hat man in unserer Gemeinde darüber nachgedacht, Olivenbäume zu pflanzen. Und ja, die sind teilweise erstaunlich robust. Aber ob sie tatsächlich hier als Straßenbäume funktionieren könnten, weiß ich nicht. Die Insektenwelt würde sich sicher eher nicht darüber freuen.

Ich beobachte also weiter und werde auch weiter experimentieren, was funktioniert und was nicht. Was bisher von meinen Versuchen super funktioniert, sind die heimischen Stauden. Da ich mich immer mehr mit Insekten und vor allem Wildbienen beschäftige, weiß ich , dass es da viele spezialisierte Tiere gibt, die ganz bestimmte Pflanzen benötigen, um ihr Überleben sichern zu können. so versuche ich, mehr und mehr heimische Stauden in die Beete zu bringen und siehe da: diese Pflanzen erweisen sich meist als außerordentlich robust und unproblematisch. Die Voraussetzung ist, den richtigen Standort für die Pflanzen zu beachten, sowie die Bodenverhältnisse. Dann muss meist auch gar nicht so viel gegossen werden, wenn die Pflanzen angewachsen sind.

Jahrelang konnten unsere Gärten gar nicht exotisch genug sein und über den richtigen Standort haben wir wenig nachgedacht. Wir haben einfach die passende Erde und den passenden Dünger gekauft und entsprechend gegossen. Dann funktioniert das meiste auch. Aber mit ausdauernden Hitzeperioden und Gießverbot muss man sich mehr Gedanken darüber machen, was in den Garten passt.

Statt der Zistrosen habe ich nun das ausdauernde Sandglöckchen und Ableger der Sandstrohblume gesetzt. Hier habe ich auch mit Sand gemulcht, damit der untere Erdbereich nicht sofort wieder austrocknet. Im Kräuterbeet hatte ich im Vorjahr einen zweiten geschenkten  Salbei gesetzt, der den Winter völlig unproblematisch überlebt hat. Dann ist das wohl eine robustere Sort, die bleiben darf und der andere wird wohl rausfliegen. In den Vorjahren hat dort auch schon der Rosmarin Probleme gehabt. Der steht nun direkt am Haus und fühlt sich dort sehr wohl.

Ein Kaltes Frühjahr
Neue Bepflanzung mit Ausdauernden Sandglöckchen und Sandstrohblumen

Ich bin gespannt, wie sich Gärten in den kommenden Jahren an das Wetter anpassen werden. Denn wenn man nicht mehr so stark durch Gießen regulieren kann, wird man gezwungen sein, seinen Garten so umzuwandeln, dass er mit den Gegebenheiten umgehen kann.

Jetzt haben wir die Eisheiligen hinter uns und es wird endlich wärmer.Die Beikräuter sind in den Beeten deutlich schneller als die Stauden gewesen und ich habe ordentlich zu tun. Vermutlich werde ich die ein oder andere Tasse Tee nun angetrunken im Garten vergessen.

 

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