Garten

Der Käferkeller- Ein Rückzugsort für seltene Insekten im Garten

Der Käferkeller- Ein Rückzugsort für seltene Insekten im Garten

Naturnahe Lebensräume werden immer wichtiger. In unserem eigenen Garten können wir einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu leisten und einen Rückzugsort für seltene Insekten im Garten schaffen. In den letzten Jahren habe Studien ergeben, dass das Insektensterben immer weiter voran schreitet. Laut der Krefelder Studie hat man im Zeitraum von 1998 bis 2016 einen Rückgang der Insektenmasse von 75 % festgestellt. Die Untersuchungen wurden an 63 verschiedenen Standorten in deutschen Naturschutzgebieten durchgeführt.

Wie wichtig Insekten sind, stellt man erst fest, wenn sie nicht mehr da sind. Sie sind wichtige Bestäuber, sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht und sind Nahrung für viele andere Tiere.

Der Käferkeller- Ein Rückzugsort für seltene Insekten im Garten
Nashornkäfer

Wußtet ihr zum Beispiel, dass die Larven von Glühwürmchen sehr gerne Schneckeneier fressen? Käfer gelten auch als die ältesten Bestäuber und einige Arten nehmen diese Aufgabe bis heute wahr. Im Kompost setzen Engerlinge von Rosen- oder Nashornkäfern unsere Gartenabfälle zu wertvollem Kompost um. Käfer und Engerlinge sind Nahrung für Igel, Kröten oder Vögel.

Leider nehmen wir Käfer oft nur als Schädling wahr, wie zum Beispiel den Borkenkäfer oder den Kartoffelkäfer. Dass diese Käfer solche Schäden anrichten, liegt oft an unserer Art des Anbaus.

In einem artenreichen Garten sind Käfer ein Teil des Ökosystems und nehmen wichtige Aufgaben wahr. Wenn möglichst viele Gärten naturnah gestaltet werden, entsteht ein wertvoller Biotopverbund, also aneinandergrenzende Flächen, auf denen die Tiere Nahrung und Lebensraum finden.

Was ist ein Käferkeller?

In Deutschland gibt es etwa 7000 verschiedene Käferarten. Etwa 1400 davon leben in oder von Totholz. Da wir dazu neigen, unsere Gärten heutzutage sehr ordentlich zu halten, wird jeder Ast, den wir schneiden eher zur Kompostieranlage gefahren, als im Garten verwertet. So entziehen wir vielen Käfern eine Lebensgrundlage.

Dabei kann man Totholz im Garten super einsetzen. Man kann Rankhilfen, Beetbegrenzungen oder Benjeshecken bauen. Einzelne schöne Stücke kann man auch wunderbar in Beeten in Szene setzen. Der Nachteil ist, dass es Jahre braucht, bis Käfer etwas davon haben. Denn sie bevorzugen morsches, von Pilzen zersetztes Holz.

Und hier entstand die Idee des Käferkellers. Indem man das Holz in eine Grube legt, liegt es in einem eher feuchten Milieu, wo die Zersetzungsprozesse schneller gehen. Von einer solchen Grube können nicht nur Käfer profitieren. Es kann auch zu einem Überwinterungsort für Kröten, Molche oder Zauneidechsen werden.

Der ideale Standort

Der ideale Standort für einen Käferkeller liegt im Halbschatten. Dort wird das Holz zwar immer wieder erwärmt, trocknet aber auch nicht vollständig aus. In ein Beet integriert kann der Käferkeller zu einem tollen Hingucker werden.

Der Käferkeller- Ein Rückzugsort für seltene Insekten im Garten
Das fertige neue Beet mit Käferkeller auf der rechten Seite

Das Holz im Käferkeller sollte zwar immer ein wenig feucht sein, aber es sollte auch kein Wasser darin stehen. Bei einem sehr verdichteten Boden sollte unbedingt an eine Drainage gedacht werden.

Materialien und Werkzeuge

Sollte eine Drainage vonnöten sein, eignet sich eine Schicht Kies oder Steine. Weiter wird Totholz benötigt. Die meisten Insekten gehen an Laubgehölze. Ganz toll sind Eiche oder Buche. Die gab es schon immer in unseren Wäldern, weshalb viele Käfer dieses Holz mögen. Weniger geeignet sind Nadelgehölze, da gehen weniger Arten ran. Aufgefüllt werden kann mit Sägespänen, Rindenmulch oder Holzhackschnitzen. Sie sollten aber unbehandelt sein. Je feiner das Holz, desto schneller entsteht das pilzfördernde Milieu.

Bitte entnehmt euer Holz nicht dem Wald. Heutzutage haben unsere Wälder meist zu wenig Totholz, da Wälder wirtschaftlich betrieben werden und das Holz ausgeräumt wird.  Das was bleibt, sollte man den Tieren im Wald überlassen. Oft kann man bei den Kompostieranlagen oder dem Bauhof Holz bekommen, manchmal auch beim Nachbarn, der es loswerden möchte.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bau

Die Größe des Käferkellers richtet sich nach dem Platz, den Ihr habt sowie nach der Menge an Holz. Ein Quadratmeter wäre ideal mit einer Tiefe von 80 cm. Wenn es aber kleiner wird, ist es auch okay. In meinem Fall habe ich eine Grube von 80 x 60 x 60 cm ausgehoben. Mein Boden benötigt aber auch keine Drainage. Solltet ihr eine Drainageschicht benötigen, sollte diese 10-20 cm betragen.

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Wenn der Platz feststeht, muss gegraben werden

Ich habe erst einmal eine Schicht Holzhackschnitzel eingefüllt und dann meine Stammstücke reingestellt bzw. gelegt. Mit Rindenstücken, morschem Holz und restlichen Hackschnitzeln habe ich das ganze aufgefüllt.

Man kann das ganze auch etwas loser füllen und größere Steine mit einarbeiten. Dann ist der Bereich besser für Amphibien geeignet. Ich möchte diesen Platz hauptsächlich den Käfern anbieten.

Man kann den Bereich mit Erde und Laub bedecken, kann aber oben drauf auch weiteres Holz stapeln, damit der Bereich ein wenig attraktiver aussieht.

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Der gefüllte Käferkeller

Langfristig muss man damit rechnen, dass der Bereich absackt. Dann kann neues Holz nachgelegt werden.

Welche Käferarten ziehen ein?

Der Käferkeller ist für verschiedene Käfer attraktiv. Rosenkäferengerlinge oder Nashornkäferengerlinge ernähren sich von Totholz. Verschiedene Laufkäfer oder Glühwürmchen finden den Bereich für den Nachwuchs super. Integriert man Eichenholz, wird der Bereich sehr interessant für den Hirschkäfer, der immer seltener wird. Der Balkenschröter wird sich dort ebenso einfinden wie viele andere Insekten wie Asseln, Hundert- oder Tausendfüssler und Spinnen. Damit wird der Ort attraktiv für Kröten, Blindschleichen und andere Amphibien, die dort Nahrung finden und gegebenenfalls überwintern können.

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Balkenschröter

Da ich in diesem Frühjahr ein Beet im Halbschatten umgestaltet habe, hatte ich die Gelegenheit und den Platz, einen Käferkeller in das Beet zu integrieren. Durch weitere Totholzelemente und Laubmulch wirkt das ganze sehr natürlich und gibt dem Beet viel Struktur. Als ich meinen Kompost umgesetzt habe, durften auch ein paar besonders große Engerlinge vom Nashornkäfer in den Käferkeller umziehen. Die ersten Spinnen und Asseln habe ich auch schon entdeckt. In Totholz steckt erstaunlich viel Leben.

 

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