Glücksmomente,  Nachhaltigkeit

Vom kleinen Glück: Die Kastanie am Straßenrand

Jeden Samstag berichte ich vom kleinen Glück, denn es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen: Die Kastanie am Straßenrand.

Vom kleinen Glück: Die Kastanie

Baum Nummer Fünf

In unserer Straße gibt es fünf Straßenbäume. Die Straße ist zwar nicht besonders lang, trotzdem ist das nicht unbedingt viel. Laut meinem Nachbarn, der hier aufgewachsen ist, waren es früher deutlich mehr. Aber nach und nach wird ein Baum nach dem anderen entfernt. Denn für die meisten sind Straßenbäume Ärgernisse. Sie werfen Schatten, sie bringen im Herbst Laub, sie stehen im Weg und außerdem könnten sie einem ja bei einem Sturm aufs Haus fallen. Nun sind es nur noch fünf Bäume. Und Baum Nummer fünf steht schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Es ist eine Rosskastanie, weißblühend.

Wie lange Baum Nummer fünf noch unter uns weilen wird, ist fraglich. Er steht mitten auf dem unbefestigten Gehweg. Fußgänger müssen auf die Straße ausweichen. Dieses Jahr gab es in unserer Region zwar ein wenig mehr Regen, aber eben bei weitem nicht genug, um die trockenen Sommer davor auszugleichen. So etwas schwächt einen Baum. Ein großer Baum kann natürlich auch mal Dürren überstehen, aber Baum Nummer fünf ist ja auch noch eine weißblühende Kastanie und somit von einem starken Befall der Minimiermotte betroffen. Er hat es also nicht leicht.

Vom kleinen Glück: Die Kastanie

Stahnsdorf gießt

In Stahnsdorf gibt es nun eine Aktion für Straßenbäume. Hier geht es vor allem um die jüngeren Bäume, die es natürlich bei Trockenheit noch schwerer haben. Man kann für so einen Baum eine Patenschaft übernehmen. Dann wird von der Gemeinde ein Gießsack gestellt, der um den Baum gehüllt wie und mit einem Reißverschluss geschlossen wird und den befüllt man dann regelmäßig. So wird der Baum per Tröpfchen für ein paar Tage mit Wasser versorgt.

Ich habe mich also erkundigt und man war sich nicht sicher. Es gab also einen Termin vor Ort. Die Alternative, nämlich das Anlegen eines Gießringes fiel weg, da man sonst auf dem Gehweg auch noch Stolperfallen einbauen würde. Es geht also nur das Befestigen des Gießsackes. Ich habe also ein Gurtband mit Klettband benäht. Dieser hält nun den Sack am Baum. Und so kann ich nun mein neues Ehrenamt als Baumpatin ausüben.

Vom kleinen Glück: Die Kastanie

Was hilft gegen die Minimiermotte?

Trotz des Befalls an Minimiermotten sieht die Kastanie trotzdem relativ gut aus. Die Minimiermotte ist eine sehr kleine Motte. Man nimmt sie kaum wahr. Aber das tückische ist nicht die Motte selbst, sondern ihre Larven, die am Blatt schlüpfen und dann durch ihren Fraß die Blattadern kappen, was zum Absterben der Blätter führt. Gestern früh konnte ich nun beobachten, wie eine ganze Schar an Meisen durch den Baum tobte. Sie scheinen die Motten zu fressen und offensichtlich den Befall zu verringern. Nun weiß ich auch, warum ich im Sommer die Meisen kaum im Garten sehe. Sie ziehen ein großes Buffet in luftiger Höhe natürlich vor.

Es gibt also eine ganz einfache Möglichkeit, die Minimiermotte an Kastanienbäumen wenigstens in Schach zu halten: Das Aufhängen von Brutkästen für Meisen in Kastanienbäumen und die Fütterung der Vögel im Winter. Eine Methode, die das Spritzen von Gift unnötig macht.

Der Erhalt von Straßenbäumen ist wichtig

Wenn man möchte, kann man Einiges für Straßenbäume tun. Ihr Erhalt- auch wenn man sich jeden Herbst über die Arbeit ärgert- wird in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger. Wir werden uns irgendwann über jeden Baum, der Schatten spendet, freuen. Und vielleicht ist es möglich, an Bäumen, die im Weg stehen, vielleicht den Gehweg drum herum zu führen. So hätte man den Baum erhalten und eine Möglichkeit geschaffen den Verkehr in kleinen Straßen zu beruhigen.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße

Steffi

Verlinkt mit Fräulein Ordnung und Lorettas und Wolfgangs Sommerglück.

16 Kommentare

  • Christine

    Hallo Steffi, ja, es sind die kleinen Dinge, die das Leben schöner machen. Man braucht nur einen besonderen Blick und kann somit jeden Tag das kleine Glück treffen. Die Idee mit den Baumpatenschaften finde ich klasse. Toll, dass du dich jetzt um die Kastiane gegenüber kümmerst.
    Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende. Liebste Grüße. Christine

    • Frau Pratolina

      Liebe Christine,
      Ich denke, es benötigt gar nicht den besonderen Blick, sondern einfach eine Besinnung auf die schönen Dinge, denn wir neigen leider immer dazu, hauptsächlich das Negative zu betrachten.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Traude "Rostrose"

    Liebe Steffi,
    du sagst es: „Wir werden uns irgendwann über jeden Baum, der Schatten spendet, freuen.“ – Ich freue mich immer schon über Baumschatten, aber eines Tages werden das auch die letzten tun. Wunderbar, dass du Baum Nummer 5 pflegst und versorgst. Den Tipp mit den Meisennistkästen werde ich an unsere Gemeinde weitergeben, denn hier hat man auch massive Probleme mit den Miniermotten und fast alle Kastanienbäume sehen schon aus wie im Spätherbst…
    Herzliche Wochenendgrüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/09/summertime-2020-in-rostrosenhausen-teil.html

    • Frau Pratolina

      Liebe Traude,
      Vielleicht möchte Deine Gemeinde ja auch Baumpatenschaften einführen, denn ich denke, gerade Bäume, die sehr starken Schädlingsbefall haben, bräuchten auch eine ausreichende Versorgung, um stark zu sein. Vielleicht setzt du da ja was in Gang, das wäre toll.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Nicole/Frau Frieda

    Wir haben eine junge Rosskastanie im Garten, liebe Steffi. Extra angepflanzt, damit unsere Kindeskinder (also darauf hoffe ich sehr) später einmal Kastanienmännchen basteln können. Im Namen des Baumes sage ich einfach mal danke für’s Giesen ;)) und über Nachbarn die über Laub meckern kann ich nur den Kopf schütteln. Meine ignoriere ich einfach. Dir einen wunderschönen Sonntag, Nicole (Deinen Kommentar zu Frau Neumann habe ich beantwortet ;))

    • Frau Pratolina

      Liebe Nicole,
      Bei Dir werden sicher die Hühner dafür sorgen, dass die Kastanie gesund bleibt, da kann sicher sogar das Laub liegen bleiben, wenn sich die Motte bei Dir einfindet. Vielleicht habt ihr aber auch eine rotblühende, da geht die Motte ja nicht ran.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • mano

    das ist ja eine prima idee von eurer gemeinde! toll, dass du dich auch beteiligst und damit die kastanie unterstützt. hier auf dem land werden leider auch immer mehr bäume gefällt – auch wg des laubs und der gefahr aufs haus zu stürzen. da wir in unserer gemeinde keine baumschutzsatzung haben, betrifft das leider auch viele alte, aber noch gesunde bäume. mit tut das in der seele weh. deiner kastanie und den anderen vier bäumen wünsche ich, dass sie von diesem schicksal verschont bleiben.
    liebe grüße
    mano

    • Frau Pratolina

      Liebe Mano,
      Das ist wirklich schlimm, dass es immer nur um die Verkehrssicherheit geht und nie um die Bäume.So gehen Bäume, die deutlich älter sind als wir.
      Vielleicht denken wir irgendwann noch um, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Wolfgang Nießen

    Liebe Steffi,
    ich drücke Baum Nummer 5 die Daumen, und vielleicht heißt es dann ja bald: Nummer 5 lebt.
    Mit tut es um jeden Baum leid, und im Garten gießen wir die Bäume regelmäßig. Trotzdem mussten wir Verluste hinnehmen, auch weil ich zu spät gemerkt habe, dass die Bäume leiden…
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    • Frau Pratolina

      Lieber Wolfgang,
      Die Trockenheit war dieses Jahr zum Glück nicht so schlimm wie in den Jahren davor. Allerdings ist die Lage auch hier trotzdem nicht entspannt. Mal schauen, was in den nächsten Jahren passiert. Für Neupflanzungen sucht unsere Gemeinde gerade Bäume, die Trockenheitsverträglicher sind.
      Liebe Grüße
      Steffi

    • Frau Pratolina

      Liebe Elke,
      Ich werde mich bemühen. Die ersten 100 Liter hat er schon ausgetrunken, scheint durstig zu sein.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Jeanne

    Liebe Steffi,
    das hast du mal wieder grandios ausgedrückt: „Wir werden wir uns irgndwann über jeden Baum freuen“…
    Wenn man (so wie wir gerade) keinen Baum im Garten hat, weiß man erst, was man entbehren muss.
    Das ist im Sommer einfach nicht auszuhalten!!!
    Ich finde das eine soooo tolle Idee von dir und drücke dir ganz fest die Daumen, dass er es gut übersteht und auch die kleine fiese Motte von den hungrigen Meisen hinweggerafft wird.
    Viel Erfolg und viele liebe Grüße

    Jeanne

  • niwibo

    Was für eine schöne Aktion liebe Steffi.
    Baumpate, Glückwunsch. Da wünsche ich Dir, dass Deine Rosskastanie noch lange leben wird.
    Und Kastanien im Herbst sind doch auch immer wieder was Schönes.
    Genau wie im Frühling die Blüte.
    Daher ist es auch wichtig, diese Straßenbäume zu behalten und pflegen.
    Dir einen schönen Mittags, lieben Gruß
    Nicole

  • Anke

    Solche Aktionen finde ich total klasse und ich gratuliere Dir recht herzlich zum Baumpaten und wünsche Dir viel Erfolg.

    Diese Gießsäcke setzt man bei uns im Kurpark auch ein.

    Herzliche Grüße
    von Anke

    • Frau Pratolina

      Liebe Anke,
      Vielen Dank. Ja, diese Säcke sieht man jetzt überall. Nur dass er an Baum Nummer fünf natürlich etwas komisch aussieht, da der Baum viel zu groß dafür ist. Aber ein Gießring liess sich dort nicht anlegen.
      Liebe Grüße
      Steffi

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