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Vom kleinen Glück: Geben

Jeden Samstag berichte ich vom kleinen Glück, denn es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen: Geben.

Vom kleinen Glück: Geben

Gerade in der Coronakrise, wo viele Menschen sich wieder auf das zu Hause und auf den eigenen Garten besinnen, ist es aber auch gar nicht immer so einfach gewesen, dafür einkaufen zu gehen. Auf der anderen Seite hat man im eigenen Garten ja Pflanzen, die sich unheimlich gerne mal an Stellen aussäen, wo ein Wachstum eher ungünstig ist. Viele lässt man einfach stehen, weil es doch toll ist, zu sehen, wie Pflanzen sich auf magerstem Raum durchsetzen. Es gibt auch Pflanzen, die sich an Orten aussäen, wo sie überhaupt nicht wachsen sollen.

So haben es dieses Jahr zum Beispiel die Löwenmäulchen versucht, in einem Hochbeet, die Alleinherrschaft zu übernehmen. Offensichtlich habe ich doch im letzten Jahr mal einen falschen Zweig in den Kompost gepackt und nun hatte ich massenhaft kleine Löwenmäulchen. Ich habe einige in die Blumenbeete verteilt. Aber nicht alle.

Denn ich hatte da ein kleines Herzensprojekt

Ich hatte fest vor, die große Ansammlung an Plastiktöpfen zu verringern. Also habe ich alle Pflanzen, die irgendwo zu viel wurden, in Töpfe gesetzt. Zum Beispiel Löwenmäulchen, Cosmeen, Zitronenmelisse, Ysop, Eisenkraut, Patagonisches Eisenkraut, Malven, Stockrosen und natürlich Neuseeländischen Spinat. An meinen Gartenzaun habe ich eine kleine Kiste befestigt und ein Schild daran befestigt, auf dem steht „Pflanzen zu verschenken“. In dieser Kiste haben zwei Töpfe Platz. Seit dem Frühjahr stelle ich immer wieder Töpfe heraus und sie finden immer einen neuen Besitzer. Einige hat mein Nachbar genommen, was ich daran bemerkte, dass ich die Töpfe mit Inhalt zurückbekam.

Geschenke am Gartenzaun

Der Stumpfstraßerich

So bekam ich schon einen Stumpfstraßerich, der tatsächlich ein Spitzwegerich war.

Hanfbaum

Nun bekam ich noch einen Hanfbaum- glücklicherweise eine Sorte, die nicht verboten ist. Die nachbarliche Kreativität war sofort erkennbar und ich habe mit ihm immer was zu lachen. Den Stumpfstraßerich hat sich Frieda schmecken lassen und mit dem Hanf befestige ich derzeit die Bohnen.

Nun hatte ich am letzten Wochenende eine Tüte am Zaun hängen, in der sich leere Töpfe befanden und ein Bild.

Vom kleinen Glück: Geben

Anna hat sich offensichtlich einen kleinen Garten mit Blumen von mir angelegt. In der Zwischenzeit habe ich sie auch einmal am Gartenzaun getroffen. Sie erzählte mir strahlend von ihrem Beet und ihre Mutter hofft noch, dass sie dieses Jahr Kürbisse ernten kann, weil sie im Mai ein Pflänzchen mitgenommen hat.

Die Vorstellung, dass ein kleines Mädchen mit meinen überschüssigen Pflanzen einen kleinen Garten anlegt und so an das Gärtnern herangeführt wird, hat mich sehr berührt und so ist dies mein kleines Glück diese Woche. Stellt Euch vor, welche Diversität man so in Gärten bekäme, wenn man nur ab und an etwas vor das Gartentor stellt. Kinder wollen ganz oft in Gärten Beete anlegen, aber die Eltern sind sicher nicht bereit, hier viel Geld zu investieren. Und wie viel Geld gibt man selbst für Küchenkräuter aus, die man gerne nutzt oder für eine schöne Staude.

Vielleicht ist dies eine kleine Anregung, einfach mal ein paar Töpfe vor das Gartentor zu stellen. Und auch wenn ein paar Töpfe zurück kamen, der Bestand hat sich deutlich verringert, da hat sich das Geben schon gelohnt.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße

Steffi

Verlinkt mit Lorettas und Wolfgangs Gartenglück.

10 Kommentare

  • Jeanne

    Hach Steffi,
    WAS für ein schöner Post!!! Da geht einem wirklich das Herz auf. Soooo schön. Also, zum einen die Idee mit der Holzkiste am Gartenzaun und dann die Geschichte mit dem kleinen Mädchen. Und dann noch dieser Brief…zum Dahinschmelzen. ….
    Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder nach Herzenslust im Garten buddeln würden- WENN, ja wenn sie denn dürften UND wenn sie die Zeit hätten (Ich schrieb ja in meinem Post darüber 😉 Doch die Gärten heutzutage geben das nicht mehr her. Der Vorgarten ist Schotter, und der Rest nur Beton, Thujas und englischer Rasen. Die Eltern würden einen Herzinfarkt bekommen, wenn die Kids mit Schaufel und Hacke anrücken würden….
    Leider haben die meisten auch schon jeglichen Bezug zu allem, was irgendwie Natur ist, verloren. Deswegen gibt einem deine Geschichte richtig Hoffnung. Von allen Kids in unsere Straße, gibt es nur ein einziges Mädchen, das direkt Nachbarmädchen, das ständig bei mir vorbeischaut, um irgendwas einzupflanzen (was eben in 20 Minuten zu schaffen ist!) Der Rest fällt hier ein wie eine wilde Horde, und reisst an jeder Pflanze rum, die ihnen zwischen die Finger kommt. (Ist ja eh alles nur Unkraut!!) Diese Erfahrung hat mich gelinde gesagt sehr disillusioniert! Von daher fand ich deinen Post gerade so ermunternd :)) Bitte mehr davon!
    Ein schönes Wochenende wünscht dir

    Jeanne

    • Frau Pratolina

      Liebe Jeanne,
      Man kann ja auch sehr gut in Kübeln oder Kästen gärtnern. Ich konnte als Kind auch nicht im Garten gärtnern. Ich habe alle möglichen Experimente mit Kresse, Kakteen und Grünlilien in meinem Zimmer gemacht. Und viele Schulen bieten ja auch schon das Schulgärtnern an. Also ich denke für Kinder, die wirklich wollen, gibt es auch Gelegenheit. Und sonst scheinen ja alle Pflanzen nach und nach hier Abnehmer zu finden. Zumindest muss ich immer wieder mal ein neues Töpfchen reinstellen. Vielleicht animiert es ja andere auch, wer weiß?
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Pia

    Das ist doch eine schöne Idee mit den Pflanzen am Gartenzaun. Bei uns im Quartier wird auch gerne ausgetauscht und was zuviel wächst an Gemüse, dafür gibt es auch immer dankbare Abnehmer. Von den überschüssigen Löwenmäulchen hätte ich auch gerne welche mitgenommen, die sind bei mir fast verschwunden im Garten, daher gehören sie zu meinen Lieblingsblumen.
    L G Pia

    • Frau Pratolina

      Liebe Pia,
      Erst dachte ich dieses Jahr, dass ich dem Löwenmäulchen den Garaus gemacht hätte durch meine Vorgartenumgestaltung. Aber dann habe ich es an den unmöglichsten Stellen wiedergefunden. Ich habe also einige Pflanzen wieder zurück in den Vorgarten gepflanzt und ein paar Töpfchen zum rausstellen fertig gemacht. Ich mag sie auch so gerne und es wäre wirklich schade, wenn ausgerechnet das Löwenmäulchen im Kompost oder in der Biotonne landet.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Bienenelfen

    Liebe Steffi,

    ach wie schön ist das denn ? Das hätte mein Herz auch berührt,. Ich finde das wunderbar. Eine wirklich schöne Idee die ich gerne aufgreifen will wenn sich hier auch mal irgendwas verselbstständigen sollte. Das ist wahres Gärtnerglück.

    Herzliche Grüße
    Kerstin

    • Frau Pratolina

      Liebe Kerstin,
      Sicher gibt es auch in Deinem Garten irgendwann Pflanzen, die sich wie der Teufel vermehren und wo du dann etwas entbehren kannst. Ich bin sicher, über kurz oder lang kommt das in jedem Garten vor.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Tante Mali

    Liebe Steffi,
    was eine zauberhafte Geschichte, die wirklich am Herzen zuppelt, weil von beiden Seiten betrachtet wunderschön. Danke dafür und auch für die Anregung. Ich stelle ja immer wieder Obst auf die Straße, das ebenfalls gerne genommen wird und verschenke die Pflanzen an Freunde und Bekannte – aber vielleicht sollte ich auch einen Hofladen „Zu Verschenken“ eröffnen. Danke auch vielmals für deinen Erfahrungsbericht.
    Lass dich drücken und hab eine wundervolle Garten(pflanzen)Zeit
    Elisabeth

    • Frau Pratolina

      Liebe Elisabeth,
      Vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich bin mir sicher, ein paar Pflänzchen würden die Leute erfreuen.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Karen Heyer

    Liebe Steffi,
    ich habe Deine Aktion bereits bei Insta gesehen und für gut befunden. Klasse Idee, könnte ich einfach mal nachmachen. Statt auf den Kompost, einpflanzen und verschenken. Auf diese Weise kann ich die Nachbargärten vielleicht mit heimischen Pflanzen versorgen?
    Liebe Grüße
    Karen

    • Frau Pratolina

      Jaaa, liebe Karen!
      Bring schöne Pflanzen in die Gärten. Wenn es umsonst ist, nehmen sogar Steinwüstengärtner ein Pflänzchen mit und stellen es auf ihre Terrasse.
      Liebe Grüße
      Steffi

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