Garten,  Glücksmomente

Vom kleinen Glück: Der gebänderte Pinselkäfer

Jeden Samstag berichte ich vom kleinen Glück, denn es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen: Der gebänderte Pinselkäfer.

Häufig habe ich im Garten solche Begegnungen. Wildbienen haben ja keine Gemeinschaftsunterkünfte wie die Honigbienen. Sie lieben es, in Blüten zu schlafen und das auch gerne mal tagsüber und manchmal auch aneinander gekuschelt.

Wildbiene in Ringelblume

Hier wollte ich gerade für die Kaninchen ein paar Ringelblumen pflücken und wartete kurz, damit die Biene wegfliegen kann. Das tat sie aber nicht. Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich besser mal leise zur Seite trete, bevor ich die kleine Schnarchnase wecke.

Wildbiene an Storchschnabel

Hier könnte man meinen, es sei jemand zu betrunken, um den richtigen Eingang zu finden, aber nein: sie hängt nur ein wenig ab und chillt.

Vom kleinen Glück: Der gebänderte Pinselkäfer

Als ich Donnerstag den verblühten Allium schneiden wollte; fand ich dieses Exemplar, machte ein Foto und stellte es bei Instagram ein mit dem Hashtag Wildbiene. Tja, weit gefehlt. Hätte ich mal richtig hingeschaut, denn hier handelte es sich nicht um eine Wildbiene. Der Aufschrei zweier Experten, die beide beteuerten, ihn selbst noch nie zu Gesicht bekommen zu haben, ließ mich ein wenig stutzig werden. Also nochmal raus und den Gesellen genauer betrachtet.

Im Portrait: Der gebänderte Pinselkäfer

Vom kleinen Glück: Der gebänderte Pinselkäfer

Hätte ich ihn mal nicht nur von der Seite angeschaut, dann wäre es mir wohl gleich aufgefallen, dass es sich nicht um eine Biene handeln kann. Denn hier haben wir einen gebänderten Pinselkäfer oder auch Trichius fasciatus vor uns. Er stammt aus der Familie der Blatthornkäfer und der Unterfamilie der Rosenkäfer.

Ihr merkt schon, ich habe mich gleich ein wenig eingelesen, denn mein Interesse wurde geweckt.

Unterfamilie der Rosenkäfer hört sich schon mal gut an und richtig, der gebänderte Pinselkäfer ernährt sich von Blütenpollen und ist somit auch ein Bestäuber. Anzutreffen ist er im Juni und Juli. Er wird 9-12 mm groß.Die hellgelben bis orangenen Flügeldecken mit der schwarzen Zeichnung können sehr unterschiedlich aussehen. Sonst hat er eine ausgeprägte Behaarung, die er wohl hat, damit Fressfeinde – oder eben ich- ihn für eine Biene halten. Er tritt in Europa und Asien auf.

Vom kleinen Glück: Der gebänderte Pinselkäfer

Normalerweise trifft man ihn wohl an Waldrändern oder auf Waldlichtungen, vorzugsweise im Bergland an. Im Flachland eher selten. Allerdings wurden in den letzten Jahren auch schon Exemplare in Berlin gesichtet. Nun kann ich bestätigen: im Umland von Berlin ist er auch zu finden. Wenn man ihn in Gärten antrifft, dann vorzugsweise in Naturgärten, denn seine Nahrung findet er auf Wildblumenwiesen. Er liebt den Pollen von Doldengewächsen, Rosen, Disteln oder auch Brombeeren.

Die Eier werden in Totholz von Laubbäumen abgelegt, denn die Larven ernähren sich davon. Ihre Entwicklung durchläuft mehrere Stadien und kann zwei Jahre dauern. Die Überwinterung erfolgt als Larve. Hierfür gräbt diese sich in tiefere, frostfreie Bodenschichten ein. Im Mai verpuppen sich die Larven und schlüpfen etwa drei Wochen später. Die Käfer leben dann etwa vier bis acht Wochen.

Was hat er mit Glück zu tun?

Vom kleinen Glück: Der gebänderte Pinselkäfer

Nun wollt ihr vermutlich wissen, warum dies mein kleines Glück ist für diese Woche. Als wir vor drei Jahren diesen Garten übernommen haben, war er weit entfernt von einem Naturgarten. Seit drei Jahren arbeite ich daran, ihn zu einem Paradies für Mensch und Tier zu machen. Hierbei muss man den ein oder anderen Kompromiss treffen, wie z. B. den Pool. Auf der anderen Seite habe ich mich sehr bemüht, so viel unterschiedliche Blumen wie möglich in den Garten zu pflanzen. Ich habe ein Insektenhotel, ein Hummelhaus gebaut, ein Igelhaus aufgestellt, einen Teich angelegt und eine kleine Totholzhecke. Und es zeigt seine Wirkung. Den Besuch des gebänderten Pinselkäfers empfinde ich als kleine Auszeichnung und daher ist dies mein kleines Glück.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße

Steffi

Verlinkt mit Fräulein Ordnung und Lorettas und Wolfgangs Gartenglück.

19 Kommentare

  • Silke - Miteinander-Bücher

    Toll! Das wäre für mich auch ein kleines Glück. Ich habe ihn noch nie in der Natur gesehen. Aber vielleicht habe auch ich nicht immer richtig hingeschaut. Wer weiß. Ich werde besser aufpassen.
    Die chillenden Insekten – Bienchen – habe ich auch zu Genüge. Das ist auch immer eine Freude. Ich finde es herrlich, wenn sie sich auf, in oder unter einer Blüte ausruhen. Aber genau das hat dein Pinselkäfer ja auch getan 🙂
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Silke

    • Frau Pratolina

      Liebe Silke,
      Das durfte er auch weiterhin tun. In dem Beet habe ich einige Alliumblüten stehen lassen, da sich dort auch einige Marienkäfer verpuppt haben.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Theo

    Liebe Steffi,
    da hast du ja wirklich ein seltenes Käfer Exemplar in deinem Garten erwischt. Den gebänderten Pinselkäfer kannte ich bisher nicht. Ja es macht Spaß immer wieder etwas Neues im Garten zu entdecken, so wie ich vor ein paar Jahren das erste Mal ein Holzbiene an einer Blüte entdeckt habe. Das ist schon ein kleines Glück oder auch großes wenn man bedenkt, dass der Bestand an Käfern, Bienen usw. immer weiter zurück geht. Vielleicht kann etwas mehr Natur im Garten helfen die Vielfalt zu erhalten.

    Liebe Grüße
    Theo

    • Frau Pratolina

      Lieber Theo,
      Die blaue Holzbiene ist ein sehr imposantes Tier und sie ist auch bei mir regelmäßig. Irgendwie ist doch der Garten genau dafür da, um ein kleines Naturparadies nachzubauen. Man kann jeden Tag so viele Dinge entdecken und das ist so schön.
      Liebe Grüße
      Steffi

    • Frau Pratolina

      Liebe Kirsten,
      Vielen Dank für Deinen Blogbesuchd und den lieben Kommentar. Ich finde es schön, wenn Du hier etwas Neues lernen konntest!
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Elke (Mainzauber)

    Hallo Steffi,

    das sind schöne Bilder aus deinem Garten. Und das Gartenglück ‚Pinselkäfer‘ hatte ich kürzlich auch zum ersten Mal. Das ist im Moment überraschend, wie viele Insekten ich zum ersten Mal vor die Kamera bekomme. In dieser Woche war es der Schillerfalter. Und man freut sich doch immer wieder – oder?

    Herzliche Grüße – Elke (Mainzauber)

    • Frau Pratolina

      Liebe Elke,
      Mich freut das wirklich sehr, immer neue Insekten kennen zu lernen. Schön, wenn man mit seinem Garten einen Ort schaffen kann, an dem sich Insekten wohl fühlen.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Rosi

    wow
    so einen Käfer habe ich auch noch nicht gesehen
    wie schön dass du ihn entdeckt hast
    und ihn uns zeigst
    wie süß die schlafenden Bienchen
    wenns hier überhaupt nur welche geben würde ;/

    liebe Grüße
    Rosi

  • Wolfgang Nießen

    Liebe Steffi,
    ich denke, ein naturnaher Garten ist immer ein Kompromiss, bei uns ist das auch nicht anders. Den gebänderten Pinselkäfer kannte ich noch gar nicht und Du hast wirklich tolle Fotos gemacht, beeindruckend.
    Mit dem kleinen Glück bin ich ganz bei Dir, ich sehe das genau so.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    • Frau Pratolina

      Lieber Wolfgang,
      Naturnah bedeutet ja auch, dass der Mensch sich wohlfühlen und nicht nur die Tiere. Daher wird es immer ein Kompromiss. Und bei Euch gibt es ja auch viele Ecken, die ihr den Insekten gewidmet habt.
      Liebe Grüße
      Steffi

  • Karen Heyer

    Ich gratuliere Dir zu so einem Prachtexemplar von Käfer! Den habe ich noch nie gesehen. Weil er so auffällig ist, kann ich mir den Namen wohl gut merken. Du darfst zu Recht stolz darauf sein, Euren Garten in ein Paradies für alle Bewohner verwandelt zu haben.
    Liebe Grüße
    Karen

  • Anke

    Liebe Steffi,

    das mit dem Pinselkäfer ist ja irre, Dein Gartenglück kann ich zu gut verstehen. Das sind dann die kleinen Glücksmomente, nicht wahr ?

    Aber auch Deine anderen Besucher sind nicht zu verachten.

    Sommerliche Grüße
    von Anke

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